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Zu den "Nürnberger Prozessen"

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Schon vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges betanden auf Seiten der Alliierten Überlegungen, die Führung des NS-Staates zur Verantwortung zu ziehen, u.a. etwa durch eine standrechtliche Aburteilung und Erschießung. Unter amerikanischer Führung kam es schließlich durch das Londoner Statut zur Einsetzung eines von den vier alliierten Siegermächten besetzen Strafgerichtshofs, der am 1. Oktober in Berlin im Gebäude des Kammergerichts (zuvor Sitz des Volksgerichtshofes) eröffnet und nach dieser Sitzung nach Nürnberg verlegt wurde. Bis zum 14. April 1949 wurden hier in 13 Prozessen Kriegsverbrechen juristisch geahndet.

Zuerst wurden die bei Kriegsende verhafteten und noch lebenden "Hauptkriegsverbrecher" vor dem dafür geschaffenen Internationalen Militärtribunal (IMT) angeklagt und verurteilt. Zwölfmal wurde die Todesstrafe ausgesprochen, sieben mal  Freiheitsstrafen verhängt und drei Angeklagte frei gesprochen. Auf der Grundlage des IMT-Statuts wurde das Kontrollratsgesetz Nr. 10 vom 20. Dezember 1945 erlassen und vor US-Militärgerichten weitere zwölf Verfahren gegen die Eliten aus Wirtschaft, Justiz, Industrie, Diplomatie, Wehrmacht und Wissenschaft geführt, die als Nürnberger Nachfolgeprozesse bezeichnet werden. 117 Mal ergingen Freiheitsstrafen, davon 20 lebenslange Strafen.

Im Hauptkriegsverbrecherprozeß wirkte der Kölner Völkerrechtler Prof. Dr. Hermann Jahrreiß als "associate cousel of defense" für den angeklagten General Alfred Jodl. In den Nachfolgeprozessen wurde er als Zeuge vernommen und wirkte 1947 an der Herausgabe der Protokolle mit. Während der sonstige Nachlaß von Jahrreiß 1993 dem Bundesarchiv Koblenz übergeben wurde - darunter auch einige Stücke zum Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß -, ging der Großteil der von Jahrreiß angelegten und von ihm gesammelten Unterlagen zum IMT an das Institut für Völkerrecht und von dort an den Lehrstuhl für internationales Strafrecht (Prof. Dr. Claus Kreß). Im Interesse einer anmessenen Aufbewahrung dieses Bestandes wurde er Ende Mai 2009 dem Universitätsarchiv übergeben und hier als "Zugang 725" akzessioniert. Zugleich kamen - dem Lehrstuhl von der Kölner Anwaltsfamilie Klefisch übergeben - zwei Umzugskartons mit Akten des Strafverteidigers Dr. Theodor Klefisch ins Archiv (Zugang 726), die nach einer ersten Durchsicht die Überlieferung des Jahrreiß-Nachlasses ergänzen.