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Wofür Archive (auch) gut sind ...

Manchmal erlebt man als Archivar große und kleine Überraschungen. Zum Beispiel diese hier:

Das Universitätsarchiv Köln hat schon vor drei Jahren den wissenschaftlichen Nachlaß des verstorbenen Professor H. (Jurist!) übernommen, konnte ihn aber mangels freier Regale bislang nicht aus den Kartons auspacken.

Als dies jüngst geschah, kam auch ein schmaler Druck in Großquart an Licht. Stutzig daran machte freilich der nicht gelöschte Besitzstempel. aufmerksam wurde der Archivar, als er einen Fernleihschein und einen Fristzettel der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln "24. Oktober 1978" fand. Der Druck hatte dort wohl schon länger gelegen ... Das Archiv nahm umgehend mit der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz Kontakt auf:

"Beim Auspacken des Nachlasses von Prof. Dr. H. fiel mir ein Programm der Universität Gießen von 1880 mit Ihrem Besitzsstempel sowie noch einliegenden Fernleihunterlagen in die Hände: [...] Sollte der Band bei Ihnen als vermißt gelten, bitte ich um Nachricht, wir werden Ihnen das schmale Heft selbstverständlich zurückgeben."

Der zuständige Mitarbeiter der Stadtbibliothek schrieb postwendend per Email zurück:

"Das Heft ist immer noch in unserem Katalog verzeichnet, nicht ausgetragen und gehört somit immer noch zu unserem Bestand. Wenn Sie uns das Heft bei Gelegenheit zurücksenden, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Bitte senden Sie auch die entsprechenden Fernleihunterlagen mit zurück. (Mit den in 32 Jahren angefallenen Mahn- und Säumnisgebühren werden wir den Etat der Stadtbibliothek sanieren. Das gibt einen Prozess!   ... verdammt, schon verjährt!)"

Was für ein Glück für den Etat des 1978 entleihenden Instituts für Neuere Privatrechtsgeschichte: legte man nämlich den Mahn- und Säumnisbetrag der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek in Mainz von 1,00 € pro Medium und Woche zugrunde, käme die stolze Summe von 1625,00 €  für 31 Jahre zu 52 Wochen plus 13 Wochen (für 1978 und 2010) zusammen. 

Aber wie gesagt - die dreißigjährige Verjährungsfrist ist eingetreten. Allerdings wurde auch von verschiedener Seite angemerkt, daß man wohl weder in Mainz noch in Köln die Leihfrist besonders gut verfolgt und auch nicht angemahnt habe. Immerhin steht der Druck nunmehr nach Rücksendung durch das Universitätsarchiv Köln den Mainzern wieder zur Verfügung.

Merke: Spätestens im Archiv findet sich alles wieder ... Aber einen Kaffee für den Archivar sollte das doch wohl wert sein?